Von Raben und Wölfen...

Zusammenfassung eines Vortrags von Micha Dudek

Micha Dudeck vom Arbeitskreis für Raben und Wölfe brachte uns in seinem Vortrag das Verhältnis zwischen Wolf und Raben näher. Rabe und Wolf haben vieles gemein. Besonders in der germanischen Sagenwelt tauchen diese beiden Vertreter desöfteren zusammen auf. Zurückblickend auf eine Zeit, wo der stolze Riesenhirsch durch unsere Wälder streifte, erlebten wir Zuhörer die Erzählung aus einer scheinbar noch intakten Umwelt. Vielleicht war dies die Zeit, in der sich Rabe und Wolf das erstemal begegneten. Als der Mensch nach Europa kam, gab es Wolf und Rabe bereits. Die Menschen zu dieser Zeit waren schon erfahrene Großwildjäger, denn sie allein sind der Grund für das Aussterben des Riesenhirsches und anderer Großsäuger.

Die Jäger der damaligen Zeit schätzten die Anwesenheit der Raben. Konnten sie sich doch auf diese zuverlässigen Vögel verlassen, denn wo Raben auftauchten, waren auch die Wölfe nicht weit und somit auch die Beute in der Nähe. Für die Indianer sind Raben und Wölfe Tiere der Weisheit. In den Legenden der Indianer schuf der Rabe Sonne, Mond, Sterne und schließlich den Menschen.

Nachdem der Mensch von Wolf und Rabe zu jagen gelernt hatte, wurden diese beiden Tierarten immer mehr zur Konkurrenz des Menschen. Raben und Wölfe teilen daselbe Schicksal, denn sie wurden vom Menschen immer mehr bekämpft. Nach der Erfindung der Schußwaffen dauert es nicht lange und Mitteleuropa ist nahezu "wolfsfrei". Auch die Raben waren bald fast ausgestorben. Erst nach der Wiedereinbürgerung der Raben in Nationalparks läßt sich ihr Verhalten gegenüber Wölfen gut beobachten. So finden sich etwa eine Stunde vor der Wolfsfütterung die Raben am Gehege ein, scheinbar einer inneren Uhr folgend.

Mit eindrucksvollen Lichtbildern veranschaulichte Micha Dudeck den Zuhörern das wahre Verhältnis zwischen Wolf und Raben. Raben scheinen die einzigen Tiere zu sein, die ein besonderes Verhältnis zu Wölfen haben. So begleiten sie die Vierbeiner und fliegen manchmal sogar Attacken auf die Beutetiere, um den Wölfen das Fangen der Beute zu erleichtern. Auch halten die Raben Ausschau nach Beute und zeigen den Wölfen den Jagdplatz. Raben bekommen schließlich ausreichend Nahrung der Beute ab. Sie knabbern die Knochen ab. Dafür haben sie gelernt, wann sie relativ gefahrlos am Kadaver landen können, ohne selbst verspeist zu werden.

Man hat festgestellt, daß sich das Verbreitungsgebiet von Raben und Wölfen nahezu decken. In den Polargebieten, wo die Nahrung nicht so groß ist, kann man die Abhängigkeit der beiden, Wolf und Rabe, besonders gut beobachten. Ferner hat man beobachtet, daß ein großes Wolfsrudel unfreiwillig weiterziehen mußte, als nach dem ersten Mahl an einem Hirsch die Raben regelrecht über das nun leicht zugängliche Beutetier herfielen. Die Raben haben Narrenfreiheit bei den Wölfen. Schließlich ergänzen sich diese beiden Tierarten auf der Jagd.

Raben und Wölfe spielen sogar miteinander, wie Micha Dudeck einmal auf der Isle Royale vor der kanadischen Küste beobachten konnte. So landen die Raben vor den Wölfen, nachdem sie dicht über den Kopf eines Wolfes hinwegfliegen,vor dem Wolf und fliegen erst kurz vor dem Zuschnappen des Wolfes auf, um das Spiel erneut von vorn zu beginnen.

(Zeichnung: © Micha Dudek)

Nicht selten bauen die Raben ihre Nester in der Nähe des Wolfsbaus. Interessanterweise ist die Entwicklung beider Tierarten sehr gut aufeinander abgestimmt. Verlassen die Wolfswelpen das erste Mal den Bau, hören sie bereits das lauthalse Krähen nach Futter. Und wenn sie im Herbst schließlich die Wölfe ihre Eltern ins Wolfsrevier begleiten, verlassen auch die Jungraben den elterlichen Verband.
In dieser Zeit hat bereits eine echte Prägung der beiden Tierarten aufeinander stattgefunden.

Um Wolf und Rabe die Rückkehr zu ermöglichen, muß es zu einer Änderung in unseren Köpfen kommen.

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